Eine wunderbare Nacht (Wishlist 2.0, Folge 6, Mid-Season-Finale)

Nach den letzten paar Folgen, die zwischen okay und eher schwach rangierten,  ist das Mid-Season-Finale recht gelungen und vor allem ziemlich stark inszeniert.

Das Cold Open zeigt uns wieder mal, wie krass weit die Wünsche der User von Wishlist inzwischen gehen und wie weit sie dafür zu gehen bereit sind, und baut das Mysterium um Wishlist weiter auf. Ich hoffe, das zahlt sich am Ende aus. Außerdem wird das am Ende der Folge wieder relevant, was an sich gutes Writing ist; allerdings finde ich (wie schon bei dem Typ in Folge 2, der sich wünscht, dass die eine Beziehung zerbricht), dass man zum Ende der Folge schon fast vergessen hat, was am Anfang passiert ist, und erst nach einigem Reflektieren fällt es einem wieder ein. Da müsste man das irgendwie eindringlicher inszenieren am Anfang, sodass es einem mehr im Gedächtnis bleibt.

Janina wird wahrscheinlich Dustins Mama mit den Taten ihres Sohnes konfrontieren, auch wenn Kim eindringlich auf sie einwirkt, ihr zu versprechen, das nicht zu tun. Die neue Janina-Darstellerin, muss ich zusammenfassend mal sagen, vermittelt viel mehr, dass ihr Dustin am Herzen liegt, verliert allerdings etwas von dem Oberflächlichen, was die Staffel-1-Janina anfangs ausgemacht hat. Es ist schon ein nicht unerheblicher Unterschied, aber bisher hatte der Charakter auch nicht so viel zu tun, sodass ein endgültiges Fazit weiterhin aussteht; aber ich mag die neue Darstellerin. Kim telefoniert mit einer seiner vielen Chicas, die ihn allerdings anscheinend gefriendzoned hat (Kims enttäuschtem Gesicht nach zu urteilen) und er soll was für sie reparieren. Kleines Detail: Im Hintergrund in der Schwebebahn war eine Frau, die auch telefoniert hat, das hat fast suggeriert, dass er mit ihr telefoniert und sie ihn verarscht.

Währenddessen muss Dustin mit den Wishlist-Leuten einen Überfall auf ein Krankenhaus starten, warum, erfährt man nie. Allerdings lässt sich Weichei Dustin dazu drängen, Kokain zu schnupfen, und man sieht v.a. Klaus im Gewaltmodus. Das Overacting und die extreme Orientierung an Alex aus Clockwork Orange stören dabei ein bisschen. Er verprügelt (oder tötet sogar) einige Unschuldige im Krankenhaus, die zur falschen Zeit am falschen Ort sind. Genauso nervig sind übrigens die übertriebenen Dialoge des Hackers; mir ist klar, dass man darstellen will, wie geil die alle sich selbst und Wishlist finden, aber nicht jede Zeile, die man spricht, ist clever und bissig. So fährt die Überfall-Gang irgendwann mit dem Aufzug zu einer Etage, wo anscheinend ein Chefarzt zufällig vorbeikommt. Die Asiatin bedroht ihn mit ihrer Knarre und er lässt seinen Ausweis da, wozu ihn Wishlist anscheinend gezwungen hat. Der Chefarzt ist (glaub ich zumindest) der Typ, der den Mist seines Sohnes im Cold Open beseitigen will. Die Gang läuft in die Säuglingsstation und vertauscht die Namensschilder in einem Akt purer Anarchie, zumindest deutet das Voiceover darauf hin. Ich kann mir nicht vorstellen, dass das alles ist, was Wishlist im Schilde führt, allerdings manipulieren sie Leute in Schwierigkeiten dazu, für Wishlist günstige Aufgaben zu erledigen. Auch das Grinsen der Asiatin lässt mich grübeln. Ist sie stolz, dass Dustin endlich rebelliert gegen den sozialen Druck und nicht ihre Anweisungen befolgt, ist also Dustins Aufmüpfigkeit wichtiger als ihr Ziel, das sie mit diesem Überfall erreichen wollte? Oder hat sie genau damit gerechnet, dass sie jetzt soweit gegangen sind, dass Dustin sich gegen sie stellen musste, und alles läuft nach Plan?

Zuletzt muss natürlich noch die (lang ersehnte?) Sexszene zwischen Mira und Casper angesprochen werden. Was ich sehr stark fand, war die Sequenz, wie Mira mit Casper chattet und Aspekte wie das Zögern und wieder Löschen beim Flirten wurden ziemlich gut getroffen. Was katastrophal war, waren sowohl die Szene mit DagiBee, der Freundin von Miras Vater, die einfach der unnötigste Charakter der ganzen Serie ist und vermutlich nur wegen dem großen Namen überhaupt mitspielt, als auch die unsägliche Inszenierung, wenn Casper seinen Gürtel auszieht. Ich war schon voll am Cringen, weil das so überinszeniert war, aber der Rest der Szene hat mich positiv überrascht. Die Szene war heißer und authentischer als 70-80 % von dem, was man sonst an Sexszenen in Fernsehen und Kino sieht. Da hat es mich dann ehrlich gesagt auch nicht so sehr interessiert, dass die Szene schon arg lang war, dafür dass sie storytechnisch nichts vorangetrieben hat. Ich hoffe allerdings, dass durch diese Dynamik die Gruppe interessanter wird, wenn sie denn irgendwann im hinteren Teil der Staffel wieder vereint sind.

Insgesamt muss ich sagen, dass Wishlist schon etwas abgebaut hat im Vergleich zu Staffel 1, und in dieser halben Staffel, die mit ihren längeren Folgen ähnlich lang ist wie Staffel 1, viiiiiiel weniger passiert ist. Das Pacing ist mir viel zu lahm und die Dialoge wirken schlechter als in Staffel 1. Die neuen Charaktere sind alle sehr überzeichnet und das Ganze wirkt inzwischen viel weniger authentisch als noch in S1. Vielleicht sind die Schreiber etwas zu cocky geworden, aber ich bin immer noch interessiert an der Auflösung der Story.

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